Aus der Sicht der Vögel

Seit über 20 Jahren kümmert sich Rainer Suczawski um die Vögel auf dem Liebfrauen- und Jacobifriedhof. Er hat dort Nistkästen angebracht und pflegt sie regelmäßig. Die »Regionale kirchliche Umweltgruppe« traf sich mit ihm im vorigen Sommer vor Ort, war begeistert vom profunden Wissen über die einheimischen Vögel und bat um einen Artikel für unser Gemeindeboot.

Aus Sicht der Vögel wäre ein Garten schön mit altem Baumbestand, alten Mauern mit Nischen, Komposthaufen und Efeu bewachsenen Wänden, einigen nicht genutzten Flächen und ohne marodierende Hauskatze. Das wäre der Idealfall. Die Realität sieht meist anders aus. Im Garten stehen keine alten Bäume, alles, was unnütz für den Menschen ist, verschwindet aus den Gärten. Die meisten Wände sind kahl und dicht, der Komposthaufen liegt in einem Schnellkomposter, der Rasen ist kurz, es gibt keine Kohlpflanzen mit Raupen, von denen ein Vogel in der Brut füttern könnte. Die meisten Menschen spritzen jede Raupe und jede Laus sofort mit Pestiziden tot, anstatt Nistkästen für verschiedene Vögel anzubringen, die die Arbeit der Giftspritze ökologisch und gesünder übernähmen. Tannenbäume, die pflegeleicht sind und kein Laub werfen, unter dem ein Wurm leben könnte, gestriegelt und gebügelt, Rasen auf drei Zentimeter getrimmt: So stellen sich die meisten eine schöne Natur vor. Für die Vögel sind das Wüsten.

Im Frühjahr ist die richtige Zeit, den Garten neu zu gestalten. Basteln Sie mit Ihren Kindern Nistkästen und bringen Sie sie im zeitigen Frühjahr in Ihren Gärten an. Das Flugloch am besten Südost und in einem schattigen Bereich oder in Laubbäumen. Füttern Sie auch im Sommer mit Meisenknödeln in dafür vorgesehenen Behältern weiter. So können die Meisen in Schlechtwetterperioden weiter füttern und die Bruterfolge steigern. Bringen Sie Ihre Kinder an die Natur und die darin lebenden Vögel und Kleintiere heran. Pflanzen Sie im Garten Kohl und anderes Gemüse und spritzen, wenn überhaupt, Schädlinge mit einer Mischung von Wasser und Fit im Verhältnis 1:10. Am besten aber überlassen Sie die Arbeit den Vögeln. Die singen dabei und Sie können zuhören. Überdenken Sie die Haltung von Katzen. Die Katze ist eines der wenigen Raubtiere, die jagen, obwohl sie satt sind. Das rührt daher, dass jeder fünfte Versuch, Beute zu machen, gelingt. Heutzutage müssen Katzen aber keine Beute mehr machen, sondern werden mit enormem finanziellem Aufwand von uns gefüttert. Eine riesige Industrie will uns über falsch verstandene Tierliebe Glauben machen, Katzen müssten hochwertiges Futter erhalten. Diese Tierfutter sind zum größten Teil keine Abfälle, sondern Fleisch aus der Überproduktion der EU, das subventioniert produziert wird. Mit Unmengen von Getreide gefütterte Schweine und mit Gülle vergiftete Böden, Monokulturen sind die Konsequenz. Mein Appell an Sie wäre: Wenn schon ein Haustier, und es muss unbedingt eine Katze sein, dann schaffen Sie sich einen Kater an und lassen ihn so früh wie möglich kastrieren. Kater haben einen halb so hohen Jagdinstinkt wie weibliche Katzen. Glücklicherweise ist es bei uns Pflicht geworden, Katzen zu kastrieren. Am besten wäre es, Sie schaffen sich einen kleinen Hund an, der steht sozial und treu dem Menschen bedeutend näher.

Rainer Suczawski, Jüterbog